Sprich, damit du führst

Wie du mit klarer Sprache Vertrauen stärkst, Konflikte klärst und echte Führung übernimmst

Führung beginnt mit Kommunikation. Und scheitert auch genau dort. Viele Führungskräfte glauben, sie seien gute Kommunikatoren – immerhin reden sie viel, führen Meetings, geben Feedback. Doch reden heißt nicht automatisch führen. Kommunikation ist mehr als Worte. Sie ist Haltung, Wirkung und Beziehung. Und oft ist sie unsere größte Schwäche.

Warum? Weil wir gelernt haben zu informieren, aber nicht zu führen. Weil wir denken, Klarheit sei unfreundlich. Und weil wir in der Hitze des Alltags oft an den Menschen vorbeireden, für die unsere Worte gedacht sind.

1. Kommunikation ist nicht das, was du sagst

…sondern das, was beim anderen ankommt. Klingt banal, ist aber eine der härtesten Wahrheiten für Führungskräfte. Viele Konflikte, Irritationen oder Demotivation entstehen nicht durch bösen Willen, sondern durch Unklarheit, Annahmen und fehlende Rückversicherung.

Beispiel: Du sagst deinem Team, dass „mehr Eigenverantwortung“ gefragt ist. 

Was hören sie? „Ich muss alles allein machen.“ Oder: „Wenn ich frage, wirke ich schwach.“ 

Kommunikation wirkt immer durch den Filter deiner Hörer. Deshalb musst du nicht mehr reden, sondern klarer.

2. Deine Worte erschaffen Realität

Sprache ist kein neutrales Transportmittel. Sie formt das, was Menschen fühlen, denken und wie sie handeln. Wenn du als Führungskraft „Wir haben ein Problem“ sagst, erzeugst du eine andere Stimmung als mit „Wir stehen vor einer Herausforderung“.

Beispiel: David, der neue Teamleiter, erlebt oft, dass er zwischen Kollegen und Chefrolle steht. Seine Kommunikation entscheidet, ob er als verlässlich oder überfordert wahrgenommen wird. Schon kleine Wortwahlen können Vertrauen stärken oder Unsicherheit schüren.

Sprachbeispiele aus der Praxis:

Tipp: Deine Sprache sollte Mut machen, nicht Druck. Haltung vor Technik.

3. Klarheit ist nicht das Gleiche wie Härte

Viele scheuen klare Worte, weil sie Angst haben, zu hart zu wirken. Doch Klarheit ist ein Akt der Fürsorge. Unklare Kommunikation führt zu Frust, Gerüchten und Missverständnissen. 

Beispiel: Vor allem Sabine, die erfahrene Teamleiterin, kennt das Dilemma. Sie will nicht autoritär wirken und vermeidet deshalb klare Ansagen. Doch das Team wünscht sich Orientierung.

Leitsatz: Klar ist fair. Unklar ist unfair.

Konkrete Formulierungen für mehr Klarheit:

  • „Ich erwarte von dir, dass du…“
  • „Das Ziel ist…“
  • „Das heißt konkret für dich…“

Je klarer du bist, desto weniger Raum bleibt für Missverständnisse.

4. Konflikte klären beginnt bei dir

Kommunikation wird besonders dann zur Schwäche, wenn es unangenehm wird. Statt direkt anzusprechen, was nicht gut läuft, hoffen viele, dass es „sich gibt“. Konflikte werden unter den Teppich gekehrt, Kritik verwässert.

Doch unausgesprochene Dinge werden nicht kleiner, sie wachsen. Gute Führung bedeutet, mutig und klar zu bleiben, auch wenn es weh tut. Nicht aus Aggression, sondern aus Verantwortung.

So gelingt dir ein klärendes Gespräch:

  • Vorbereitung: Was ist mein Ziel? Was ist meine Haltung?
  • Start: „Ich möchte mit dir über etwas sprechen, das mir wichtig ist.“
  • Beobachtung statt Bewertung: „Mir ist aufgefallen, dass…“
  • Wirkung schildern: „Das führt dazu, dass…“
  • Wunsch äußern: „Ich wünsche mir, dass…“

5. Zuhören ist Führungsstärke

Viele glauben, sie müssten als Führungskraft immer sprechen. Doch oft zeigt sich wahre Führungsstärke im Zuhören. Wer gut zuhört, signalisiert Wertschätzung, gewinnt Vertrauen und erkennt früher, wo der Schuh drückt.

Beispiel: Lea, die junge, engagierte Mitarbeiterin, erlebt oft, dass ihre Ideen nicht gehört werden. Wenn du als Führungskraft aktiv zugehört hast, kannst du Menschen stärken, bevor sie innerlich kündigen.

Frag dich regelmäßig:

  • Wie viel Prozent eines Meetings rede ich?
  • Wann habe ich das letzte Mal wirklich zugehört, ohne direkt zu antworten?

Zuhören ist keine Schwäche. Es ist deine stärkste Intervention.

6. Der Mut zur Kommunikation in der Unsicherheit

Besonders in Zeiten der Veränderung, bei Krisen oder neuen Strategien ist Kommunikation entscheidend. Doch genau dann passiert sie oft zu wenig oder zu spät. Warum? Weil viele Führungskräfte erst „sicher sein wollen“, bevor sie kommunizieren.

Beispiel: Tobias, der junge Unternehmer, kennt diese Zerrissenheit. Er hat Ideen, sieht aber den Widerstand. Er schweigt über Zweifel, um souverän zu wirken. Doch Schweigen schafft Unsicherheit.

Führung bedeutet, Ungewissheit zu benennen, statt sie zu verbergen.

Formulierungsbeispiele:

  • „Wir haben noch nicht auf alles eine Antwort, aber wir sind dran.“
  • „Das Ziel ist klar, der Weg dorthin kann sich noch entwickeln.“
  • „Ich nehme eure Sorgen wahr und möchte sie verstehen.“

7. Kommunikation ist ein Muskel

Du wirst nicht über Nacht zur besseren Führungskraft, nur weil du diesen Beitrag liest. Aber du kannst anfangen zu trainieren. Kommunikation ist ein Muskel, der durch bewusste Übung stärker wird.

Dein Trainingsplan:

  1. Feedback holen: Frage Kolleg:innen, wie deine Worte wirken.
  2. Reflektieren: Was war heute ein gutes Gespräch und warum?
  3. Sprachmuster erkennen: Welche Floskeln verwendest du und was richten sie an?
  4. Klartext üben: Formuliere Aussagen in einfachen, klaren Sätzen.
  5. Zuhörzeiten schaffen: Plane stille Minuten im Gespräch bewusst ein.

Führung ist Kommunikation. Und Kommunikation ist übbar.

Fazit: Sprich, damit du führst

Kommunikation ist kein weiches Thema. Sie ist dein schärfstes Schwert oder dein größtes Risiko. Wer führen will, muss Sprache bewusst einsetzen: klar, wertschätzend, mutig und wirksam.

Nicht weil es einfach ist, sondern weil es notwendig ist.

Deine Worte entscheiden, ob du Orientierung gibst oder Verwirrung stiftest. Ob du Vertrauen schaffst oder Zweifel verstärkst.

Sprich also nicht einfach drauflos. Sprich, damit du führst.

Du willst deine Kommunikationskompetenz gezielt stärken? Dann starte mit mehr Klarheit und erstelle dein Chefhandbuch. Wie das geht erfährt du in dieser Podcastfolge von mir. 

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